Abstrakt

In einigen seiner Schriften argumentierte Sigmund Freud (z. B. 2004), dass je kleiner die tatsächlichen Unterschiede zwischen zwei Völkern sind, desto größer müssen sie in ihrer Vorstellung sein, ein Phänomen, das er als ‚Narzissmus kleiner Unterschiede‘ bezeichnete. Tatsächlich, so Freud, kam es häufig zu Konflikten zwischen Individuen und Gruppen, die sich sogar bis zu Doppelgängern oder eineiigen Zwillingen sehr ähnlich zu sein schienen. Freud hielt jedoch davon ab zu argumentieren, dass die Existenz enger Ähnlichkeiten zwischen Gruppen eher zu Konflikten führte als wenn eine große physiologische oder kulturelle Kluft vorhanden war. Nichtsdestotrotz wurde die Idee des Narzissmus der kleinen Unterschiede in den letzten Jahrzehnten von Kommentatoren wiederbelebt, die das scheinbare Übermaß an ethnischen Konflikten verstehen wollten, die insbesondere seit dem Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989 aufgetreten sind. Viele dieser Konflikte scheinen, wie wir zu Beginn von Kapitel 1 festgestellt haben, zwischen Gruppen ausgetragen zu werden, die so viel teilen und für Außenstehende oft nicht zu unterscheiden sind.

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